Selbsthilfe trifft Selbsthilfe am 19. Juni 2010

Selbsthilfe braucht Anerkennung

Bayernweites Treffen im Bezirksrathaus in Ansbach

Plenum

Das hohe Interesse an Selbsthilfe zeigte sich schon im Vorfeld: Schon Wochen vorher war die Veranstaltung „Selbsthilfe trifft Selbsthilfe“, die am 19. Juni 2010 im Bezirksrathaus stattfand, ausgebucht.
Das Leitthema war „Wurzeln und Weiterentwicklung – Selbsthilfe im Spannungsfeld zwischen Gruppentreffen und Gremienarbeit“.
Knapp 100 Selbsthilfeaktive und 20 Selbsthilfefachkräfte diskutierten hochaktuelle Themen und hatten im Plenum am Ende der Tagung die Gelegenheit ihre Wünsche und Forderungen direkt an Politiker und andere Kooperationspartner der Selbsthilfe weiter zu geben. Sehr positiv war hier, dass Politiker aller Fraktionen und verschiedener politischer Ebenen ihr Interesse durch engagierte Redebeiträge zeigten.
Allein der Landtag war mit fünf Landtagsabgeordneten vertreten. Auch eine Bundestagsabgeordnete und mehrere Regionalpolitiker kamen nach Ansbach, um mit Selbsthilfeaktiven ins Gespräch zu kommen..

„Ich bin begeistert von der Möglichkeit hier mit anderen Engagierten aus der Selbsthilfe genau die Themen zu diskutieren, die uns vor Ort auf den Nägeln brennen“, so urteilte ein Teilnehmer in der Mittagpause.
In zwölf Arbeitsgruppen wurde zu selbstgewählten Themen diskutiert und neue Vorschläge der Unterstützung für Selbsthilfegruppen in Bayern gesammelt.
So wurde an die Politik der Wunsch herangetragen auch Selbsthilfegruppen aus dem psychosozialen Bereich besser finanziell zu fördern und engagierte Selbsthilfeaktive ebenso für Ehrungen vorzuschlagen wie andere Ehrenamtliche. Auch sollten behinderte Menschen, wie z.B. Taubblinde durch die Bezahlung von Dolmetschern gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden.

Ein weiteres Thema war, wie Selbsthilfegruppen mehr junge Menschen für die Selbsthilfe gewinnen können. Hier wurden Ideen gesammelt, wie z.B. über Selbsthilfe in Schule und Ausbildung zu informieren, und noch mehr passgenaue Werbung für Jüngere zu betreiben. Am Nachmittag wurde die Projektidee einer interaktive Selbsthilfe-Plattform diskutiert, die zum großen Teil Zustimmung in der großen Arbeitsgruppe fand.

Kontrovers ging es in der Arbeitsgruppe „Erwartungen an SeKo Bayern“ zu. Hier wurden kritische Stimmen laut, die auf Probleme zwischen Selbsthilfekontaktstellen, SeKo und Selbsthilfeverbänden hinwiesen. Auch wurden verschiedene Probleme erörtert, die in Zusammenhang mit der Verteilung der Krankenkassengelder in den letzten beiden Jahren entstanden.
Als Idee, um die Zusammenarbeit zu verbessern, wurde ein gemeinsames Treffen vorgeschlagen, um mit allen Beteiligten konstruktive Lösungen weiterzuentwickeln.

Weitere Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit Themen, die die inhaltliche Arbeit von Selbsthilfegruppen in den Mittelpunkt rückten: so befasste sich ein Kreis mit der Frage, wie die Gruppe austherapierte Mitglieder unterstützen kann oder wie Menschen mit chronischen Schmerzen durch die Gründung eines Forums auf ihre Probleme aufmerksam machen können.

Die größte der Arbeitsgruppen beschäftigte sich mit dem Thema „Rechte und Pflichten der Gruppenleiter“. Hier wurde auch ganz konkret eine Fortbildung zu diesem Thema vereinbart und auf ein kürzlich erschienenes Buch hingewiesen, das in Zusammenarbeit mit dem Selbsthilfezentrum München ganz neu erschienen ist.

Einig war sich der Großteil der Anwesenden in jedem Fall, dass die Selbsthilfe in Bayern noch mehr Unterstützung und Anerkennung braucht, und dieses gemeinsame Ziel im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen sollte.
SeKo Bayern veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein Selbsthilfekontaktstellen Bayern e.V. und dem Regionalzentrum für Selbsthilfegruppen Mittelfranken e.V. die vierte „Selbsthilfe trifft Selbsthilfe“-Tagung. Ein besonderer Dank geht nochmals an den Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch, der als Schirmherr der Veranstaltung die Begrüßung übernahm und sein Haus für die Veranstaltung zur Verfügung stellte.

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