Selbsthilfe ist mehr als Gruppenarbeit!

Am Samstag, den 13. Oktober trafen sich 110 Teilnehmer/innen aus ganz Bayern, um sich bei der zweiten bayerischen Selbsthilfekonferenz „Sucht und Gesundheit“ in Coburg auszutauschen.
Der Fachvortrag „Verantwortung teilen – Gruppenleitung entlasten“ des Hauptreferenten Andreas Greiwe bot einen provokativen Einstieg in das Thema.
So beschrieb Greiwe das Dilemma der Selbsthilfegruppenleiter, die immer mehr leisten müssten, und dabei manchmal den eigentlichen Kern der Selbsthilfe, die originäre Gruppenarbeit und den Erfahrungsaustausch unter Betroffenen aus den Augen verlören. Stattdessen versuchten sie durch noch mehr Vorträge und Referate von Experten die hohen Ansprüche ihrer Mitglieder zu erfüllen, anstatt diese zur aktiven Mitarbeit zu bewegen.
So nähmen die Erwartungen an die Gruppenleiter zu, blieben neue, aktive Mitstreiter aus und die anfallende Arbeit könne kaum mehr bewältigt werden.
In den anschließenden Workshops, dessen Themen vom Tagespublikum selbst eingebracht wurden, entstanden lebhafte und zum Teil kontroverse Diskussionen und Gespräche.
Da 70 Prozent der Teilnehmenden direkt aus der Selbsthilfe kamen, waren sehr basisnahe Gespräche gewährleistet.

Folgende Themen wurden eingebracht:

  • Verantwortung teilen in der Betroffenenselbsthilfe
  • Selbsthilfe ist mehr als Gruppenarbeit
  • Interessante Öffentlichkeitsarbeit gestalten
  • Über den Umgang mit Wahrheit in Suchtgruppen
  • Zusammenarbeit Selbsthilfe und Ärzte bei Essstörungen
  • Ärzte und der Umgang mit dem Thema Alkohol
  • Jugendarbeit – Wie integriert man junge Menschen in die Selbsthilfe?

Das größte Interesse fand das Thema „Selbsthilfe ist mehr als Gruppenarbeit“. Beim Abschlussplenum beschrieb der Einberufer dieses Workshops nochmals treffend wichtige Punkte der Selbsthilfearbeit: Das Engagement bringe nicht nur Last, sondern auch „Lust“ und Netzwerke seien wichtig, um die Selbsthilfearbeit voranzubringen.
Gesamtfazit der Veranstaltung: Die Selbsthilfe hat ein riesiges Spektrum, das mit Selbstbewusstsein transportiert werden kann. Nachfolger und/oder junge Menschen zu finden ist nicht leicht, aber möglich – mit Sensibilität sich selbst und anderen gegenüber.

Neben SeKo Bayern war auch die Coburger Selbsthilfekontaktstelle Mitveranstalter der zweiten Bayerischen Selbsthilfekonferenz “Sucht und Gesundheit”.
Im Anschluss an die Veranstaltung fand das 25-jährige Jubiläum der Selbsthilfekontaktstelle in Coburg statt.

Auf dem Foto sehen Sie das Veranstalterteam, v.l.n.r.: Irena Tezak und Theresa Keidel von SeKo Bayern und Sabine Doerenkamp-Steiner und Sabine Feuerbach-Heim von der Selbsthilfekontaktstelle der Stadt Coburg.

Der Fachtag wurde finanziell unterstützt durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.

leiter